Des Bürgermeisters Beruhigungspille

„Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“, sagte DDR-Staats- und Parteichef Walter Ulbricht am 15. Juni 1961 in einer Pressekonferenz in Ost-Berlin. Wohl die berühmteste Beruhigungspille der deutschen Geschichte. Denn jeder weiß: Bereits zwei Monate später begannen die Arbeiten an der Berliner Mauer.

Man fühlt sich ein wenig an diese Begebenheit erinnert, liest man in der NWZ vom 11. Juli die Äußerung des Bürgermeisters, dass der Verkauf des Vareler Waldstadions zur Gegenfinanzierung der geplanten Sportplatzerweiterung in  Langendamm „noch offen“ sei und es „keine Vorentscheidung über die Schließung einer Sportstätte“ gebe. Offensichtlich auch eine Beruhigungspille für den aufgebrachten Bürger. Denn in ihrem Sportstättenentwicklungskonzept veröffentlicht die Stadtverwaltung konkrete Planungen zur Wohnbebauung des Geländes an der Windallee. Wohlgemerkt: Diese Pläne sind datiert vom Februar 2003!

Waren diese Entwürfe seinerzeit nur Gedankenspiele eines mit Arbeit unterversorgten Planungsamtes? Wohl kaum. Wie sonst ist zu erklären, mit welcher offenkundigen Gleichgültigkeit man das Waldstadion über die letzten Jahre hinweg weitestgehend sich selbst überlassen hat und die Möglichkeit einer Sowohl-als-auch-Lösung nicht in Betracht zieht? Sowohl-als-auch hieße: Sanierung des Waldstadions und Aufwertung in Richtung Bürger- und Bewegungspark bei gleichzeitiger angemessener Ertüchtigung der Sportstätte in Langendamm für den Rasensport.

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